Neonazis in Sozialen Netzwerken – was tun?

Wer möchte, dass das Internet ein freies Medium bleibt, aber sich auch der Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet fühlt, muss dafür etwas tun. Allerdings sind wir im Internet sehr viele – wenn also viele mit verschiedenen Mitteln aktiv werden, kommt man gemeinsam schon voran.

Darum geht es:

Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemtismus und andere Menschenfeindlichkeiten nicht unwidersprochen lassen

  • • Das heißt: Nicht wegklicken, sondern melden (bzw. als Betreiber: löschen) – das setzt eine wichtige Grenze. Aber auch: Mit Argumenten dagegen halten. Widersprechen. Grenzen setzen. Widersprüche aufzeigen. Sagen, warum etwas rassistisch / antisemitisch / ns-verherrlichend ist. Nicht unbedingt, um den Schreiber oder die Schreiberin zu überzeugen – vielmehr, um dem Rest der (möglicherweise indifferenten) Öffentlichkeit zu signalisieren, warum diese Argumente keine echten Lösungen anbieten und nicht einmal zu einer echten Diskussion beitragen wollen, sondern gezielt verbreitet werden, um Hass zu sähen.

Zeichen setzen, welche Werte wichtig sind

  • • Nicht es geht nicht nur gegen Nazis, sondern vor allem für Demokratie und Menschenrechte, die Achtung des Gleichheitsgrundsatzes und der Würde aller Menschen. Denn Rassismus, Antisemitismus, Vorurteile gibt es auch in der Mehrheitsgesellschaft – und sie werden nicht besser, wenn sie jemand äußert, der „das jetzt nicht so meint, aber wohl mal sagen darf...“.

Opfer von Herabsetzungen unterstützen

  • • Wenn einer einen anderen beleidigt, angreift, Unwahrheiten verbreitet, ist es für die Betroffenen extrem hilfreich, wenn sich andere Userinnen und User für die betroffene Person einsetzen, ihr argumentativ zur Seite springen und damit das Gefühl vermitteln: Du bist nicht allein.

Informieren und aufklären - und die Ideologie der Ungleichwertigkeit bearbeiten.

  • • Rechtsextremismus kann man nur begegnen, wenn man ihn erkennt. Deshalb sind Informationsangebote wichtig, die über Strategien und Aktivitäten der rechtsextremen Szene, rassistische Argumentationen und die Denkmuster hinter antisemitischen Verschwörungstheorien aufklären, auch über die Präsenz in sozialen Netzwerken. Das macht www.netz-gegen-nazis.de – aber zum Glück auch nicht allein: Eine Übersicht über gute Informationsangebote im Internet finden Sie hier. Auch Medien spielen hier eine wichtige Rolle. Was in bekannten Medien berichtet wird (auch in deren Accounts auf Sozialen Netzwerken), wird von einem größeren Teil der Öffentlichkeit wahrgenommen.
  • • Rechtsextremismus ist nicht weg, wenn man ihn nicht mehr sieht. Deshalb hilft dauerhaft nur, die einzelnen Ideologie-Teile zu bearbeiten: Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Chauvinismus und ähnliches. Das tun Projekte und Initiativen offline auf verschiedenste Art und Weise (dokumentiert z.B. hier. Online heißt das: Argumentationen anbieten – die werden z.B. Rassisten nicht überzeugen. Aber vielleicht Unentschlossene oder Menschen, die sich über ein Thema noch keine Gedanken gemacht haben.

Nicht vergessen: Zur Demokratie gehört ein Streit der Meinungen. Es kann vorkommen, dass Sie Dinge anders bewerten als z.B. Unternehmen, die ein Seite löschen könnten. Da hilft nur: Bessere Argumente suchen und senden. Experten heranziehen.

Ideen, aktiv zu werden:

Die folgende Sammlung ist als Anregung zu verstehen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Wenn Sie eine gute Aktion kennen oder eine Idee haben, die hier dokumentiert werden sollte, schreiben Sie an netz@amadeu-antonio-stiftung.de.

Einzelpersonen:

• Jeden Tag eine gute Tat: Suchen Sie sich ein Soziales Netzwerk Ihrer Wahl und melden Sie, sobald sie den Computer anmachen, einfach zuerst fünf rechtsextreme Profile, Postings, Videos, Bands o.ä. Nach einschlägigsten Begriffen zu suchen, wie NS-Vokabular, übliche Zahlencodes, Slogans, rassistische Stereotypen, Band-Namen etc., reicht in der Regel, Ideen hier (link zu ngn). Die Sozialen Netzwerke können die Datenmengen sonst nicht bearbeiten, sie sind auf Hinweise angewiesen und freuen sich. Wenn nicht sofort etwas passiert: Weitermachen, eventuell mit besseren Argumenten und Quellen.

• Rechtsextremes kann man zusätzlich auch an Jugendschutz.net melden: www.hass-im-netz.info/melden

• Strafrechtlich relevantes können Sie einfach bei Ihrer lokalen Polizeiwache (finden Sie auch als Onlinewache im Internet) anzeigen.

• Gründen Sie Gruppen, um ein Statement zu setzen, Gleichgesinnte zu finden und Ideen auszutauschen.

• Vernetzen Sie sich mit bestehenden Gruppen und bleiben Sie informiert.

• Informieren Sie sich über rechtsextreme Argumentationsstrategien und Gegenargumente. Netz-gegen-nazis.de bietet dazu Workshops an (Link) und veröffentlicht voraussichtlich im Dezember 2010 eine Broschüre zum Thema.

• Starten Sie eine Aktion.

Unternehmen:

• Was Soziale Netzwerke gegen Rechtsextremismus konkret tun, finden Sie hier auf der Website, wenn Sie auf die Logos der Sozialen Netzwerke auf der linken Seite klicken.

Grob gehört dazu:

• AGBs geben, die Rechtsextremismus, Rassismus, Diskriminierung untersagen, helfen, um Zeichen zu setzen und konsequent handeln zu können.

• Expertenteams helfen, die Meldungen der Userinnen und User einzuordnen. Schön, wenn dies zeitnah geschieht, noch besser, wenn es eine Rückmeldung für den User oder die Userin gibt.

• Aktionen auf der eigenen Plattform unterstützen – durch Einbindung, Edelprofile, Werbemittel – oder eigene Aktionen zum Thema starten (bisher sind das oft Wettbewerbe).

• Unterstützen Sie Aktionen gegen Rechtsextremismus – so hat etwa der Zusammenschluss „IT-Unternehmen gegen Rechtsextremismus“ (hießen die so?) Geld für die Projektförderung der Amadeu Antonio Stiftung gesammelt.

• Eigene Stärken nutzen: Warum nicht mal die Userinnen und User gezielt aktivieren und aufrufen, demokratiefeindliche Profile zu sammeln, um Gegenstrategien zu entwicklen? Das haben im Internet jüngst die Clickworker von Clickworker.com für netz-gegen-nazis.de gemacht.

Aktionen:

Öffentlichkeitsarbeit / Awareness Raising

Online-Flashmobs: Userinnen und User wurden auf Facebook in einer genau bestimmten Zeit aufgefordert, auf NPD-Websiten Anti-Nazi-Bilder zu posten – lustig und ärgert die Rechtsextremen, ohne illegal zu sein.

• Um Protest oder Solidarität auszudrücken, ändern Userinnen und User für einen vereinbarten Zeitraum ihr Profilbild (das können Sie auch mit „Soziale Netzwerke gegen Nazis“ machen - hier geht's zum Download).

Digitale Lichterkette: Menschen fotografieren sich mit Logo (z.B. Gegen Nazis) und das fügt sich zu einem bunten Gesamtbild zusammen – die Profiversion ist die Online-Demonstration von Gesicht Zeiten auf Facebook.

• Watchblogs zu Ihrem sozialen Netzwerk: macht z.B. www.antifaschismus2.de für Rassismus, Antisemitsmus und Verschwörungstheorien auf www.wer-kennt-wen.de

• Wenn Sie kreativ sind: Nichts verbreitet sich im Internet so gut wie lustige Videos. Wenn Sie können: Drehen Sie doch eines zum Thema (ist aber nicht ganz leicht. Anregungen gibt es hier oder immer wieder bei den Kolleginnen und Kollegen von Extra3 vom NDR).

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