Nazis in Sozialen Netzwerken: Wie läuft rechtsextremes 'Recruiting' ab?

• In der Regel handelt es sich um 'Rechtsextremisten auf den 2. Blick', die sich mit "gutbürgerlicher" oder "konservativer" Fassade inszenieren: ein User nennt sich "heimattreu", Mütter in Elterngruppen argumentieren plötzlich rassistisch.

• Beliebter Ort der Kontaktaufnahme sind politischen Diskussionsgruppen, gern auch zu Themen, die gerade in der "Außenwelt" relevant sind (Wahlen, Minarettverbot in der Schweiz, Sarrazin-Buch).

• Rechtsextreme Gesprächsstrategien sind Verunsicherung und Bedrohung - konkrete Beispiele gibt es hier.

Rechtsextreme Gesprächsstrategien:

  • - Fehlinformationen geben,
  • - dramatisieren,
  • - Unwissen ausnutzen,
  • - populistische Stimmungsmache betreiben,
  • - rassistisch argumentieren (etwa Ängste vor dem Islam schüren),
  • - Gespräch an sich reißen und Thema verschieben,
  • - Andersdenkende verdrängen, z.B. politische anders Argumentierende anpöbeln und persönlich beleidigen,
  • - Penetranz,
  • - Unsachlichkeit – selbst ausleben und immer den anderen vorwerfen,
  • - bei Diskussionen zum Thema Rechtsextremismus: Gefahr von Rechts herunterzuspielen, Einsatz gegen Rechtsextremismus zu diskreditieren, vom eigentlichen Diskussionsthema ablenken,
  • - mit Argumenten wie "Die NPD ist doch nicht verboten" sollen demokratische Nutzer verunsichert und der Einsatz gegen demokratiefeindliche Ideologien diskreditiert werden,
  • - ständig mangelnde "Meinungsfreiheit" beklagen, wenn Beiträge mit Holocaust-Leugnung, Angriffen auf andere, rassistischer Hetze oder NS-Verherrlichung gelöscht werden.

Themen an der Grenze:

  • - thematisch geht es um Rassismus, der nicht offen benannt wird, aber Ausdruck findet in reißerischen Darstellungen von "Ausländerkriminalität" oder der "Islamisierung Europas" und Berichten, wie Migranten die Sozialsysteme belasteten
  • - Diskutanten sorgen sich um die "Reinhaltung" "deutscher" Kultur und Sprache
    - verlangen der Legitimität von Patriotismus und Nationalismus Hetze gegen "linke Gutmenschen"
  • - Selbstinszenierung als Rebell gegen das "System" und seine "Meinungsdiktatur" oder speziell "Internetzensur".

Vielen dieser Diskussionen kann also nur inhaltlich, nicht juristisch begegnet werden. Diskutiert man etwa zum Thema Rechtsextremismus, sind typische Störversuche und Ablenkungsmanöver rechtsextremer Nutzer etwa der Verweis auf Themen wie Linksextremismus ("In Berlin brennen täglich Autos und da macht keiner Lichterketten"), Ausländerkriminalität ("Man kann sich in bestimmte Viertel in Deutschland schon gar nicht mehr trauen als Deutscher, ohne Angst zu haben, zusammengeschlagen zu werden.") oder Islamismus ("Ihr werdet hier bestimmt noch alle ruhig sein, wenn die Kulturbereicherer hier die Scharia einführen."). Ob jemand ernsthaft diskutieren will oder nur Parolen drischt, bringt oft leichtes Nachfragen ans Licht.

• Musik lässt sich als Soundfile, Video oder Live-Mitschnitt platzieren: Texte und Lieder formen und transportieren ein politisches Weltbild, das sich vorrangig aus Versatzstücken demokratiefeindlicher, nationalistischer, fremdenfeindlicher und antisemitischer Einstellungsmuster zusammensetzt; sie festigen die typischen stereotypen Feindbilder der Szene wie "Fremde", "Ausländer", "Juden" oder der demokratische Verfassungsstaat, stacheln an zu Gewalt und Hass.

• Werden einschlägige Bands gesperrt, sind sie schnell unter Kürzel oder variierender Schreibweise wieder präsent.

• Oft "helfen" Programme, die bisherige Vorlieben analysieren und daraufhin weitere Inhalte anbieten: So erscheint nach ein paar Minuten Recherche etwa "Nigger- I hate your face - Entdecke neue Musik bei last.fm"!

Weiter:
| Wie reagieren?




Was tun?
| Was Sie persönlich tun können.
Was die an der Kampagne beteiligten Sozialen Netzwerke tun, erfahren Sie, wenn Sie auf die Logos in der linken Seitenspalte klicken.

Autorin: Simone Rafael, www.netz-gegen-nazis.de