Ein halbes Jahr nach der Aktionswoche: Breite Effekte

Im Oktober 2010 startete netz-gegen-nazis.de die Aktionswoche "Soziale Netzwerke gegen Nazis". Eine Woche lang sollte in den in Deutschland aktiven sozialen Netzwerken zum Thema Rechtsextremismus diskutiert, informiert und zum Engagement motiviert werden. Viele dieser Gruppen sind weiterhin aktiv - allen voran die bei Wer-kennt-wen.de: Sie hat jetzt über 400.000 Mitglieder. Und auch darüber hinaus hatte die Aktionswoche gute Effekte.

Von Simone Rafael

Die Nutzerinnen und Nutzer von Wer-kennt-wen.de (wkw) waren schon während der Aktionswoche "Soziale Netzwerke gegen Nazis" vom 11. Oktober bis zum 17. Oktober 2010 besonders zahlreich beigetreten und gleich sehr aktiv: Im Laufe der Woche kam die entsprechende Gruppe auf knapp 195.000 Mitglieder (weitere Zahlen vieler der beteiligten Netzwerke finden sie hier). Am heutigen 30. Juni 2011 sind es 400.638 Mitglieder.

Aktive Diskussionen, engagierte Admins

Und die Gruppenmitglieder der "Soziale Netzwerke gegen Nazis"-Gruppe auf wkw setzen mit der Teilnahme größtenteils nicht nur ein Zeichen - sie diskutieren auch fleißig im Themenbereich, vernetzen und unterstützen sich. Seit Anbeginn der Gruppe wurden dort 2.400 Themen zur Diskussion eröffnet, die alle - mehr oder weniger intensiv - von der Community bearbeitet werden. Dabei sind "Dauerbrenner"-Themen wie der Umgang mit "Pro-Sarrazin-Gruppen", "Musik von rechts, Musik gegen rechts" oder "Was können wir tun?", aber auch Spezielleres wie "Braune Fäden in der Gothic-Szene?" oder "Wie treten Nazis heute auf?".

Möglich ist die konstruktive und gewinnbringende Diskussion in der Gruppe auch, weil sie von Anfang an durch ein sehr engagiertes ehrenamtliches Administratoren- und Administratorinnen-Team betreut wird. Diesem möchte netz-gegen-nazis.de für seine gute Arbeit besonders danken! In einer guten, geschützten Atmosphäre ist der Austausch besonders fruchtbar.

Effekte ein halbes Jahr nach der Aktionswoche

Die Aktionswoche "Soziale Netzwerke gegen Nazis" hatte für uns das Ziel, Öffentlichkeit für das Thema "Rechtsextremismus in sozialen Netzwerken zu schaffen". Die Netzwerkbetreiber sollten sich offiziell zu einer Kultur bekennen, die ihre demokratischen Userinnen und User schützt - um diesen Sicherheit zu geben, dass sie sich in einem Raum bewegen, in dem Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und NS-Propaganda nicht erwünscht sind. Dass sich aus den zur Aktionswoche gegründeten Gruppen so nachhaltig genutzte Plattformen entwickeln, haben wir gehofft - trotzdem sind wir von dem langanhaltenden Erfolg mehr als begeistert! Aber auch in anderen beteiligten Netzwerken gibt es weiterhin intensiv genutzte "Soziale Netzwerke gegen Nazis"-Gruppen, etwa auf SchülerVZ, StudiVZ, Spin.de oder YouTube. Alle beteiligten Netzwerke sind hier gelistet.

Einen Sonderfall stellt Facebook dar: Die konnten sich nicht zu einer aktiven Teilnahme an der Aktion entschließen. Trotzdem haben wir dort inzwischen aufgrund der zahlreichen Usernachfragen dazu neben der sehr aktiven "Netz gegen Nazis"-Seite auch eine "Soziale Netzwerke gegen Nazis"-Seite eingerichtet. Natürlich hoffen wir weiterhin darauf, dass Facebook sich noch in Zukunft entsprechend positionieren wird.

Immer mehr Netzwerke dabei!

Ein weiterer Erfolg der Kampagne zeigt sich in der Zahl der beteiligten Netzwerke: Gestartet ist die Aktionswoche mit 20 großen und kleinen in Deutschland aktiven Netzwerken und Communities (hier in der linken Seitenspalte aufgeführt). Bis zu deren Ende am 17. Oktober hatten sich weitere 37 Netzwerke angeschlossen. Und noch immer erreichen uns anfragen, das Statement der Aktion mitzutragen: Aktuell sind es 66 Netzwerke, die mit der Aktion "Soziale Netzwerke gegen Nazis" ein deutliches Zeichen setzen, dass sie Gleichwertigkeit und Menschenrechte als Grundlagen ihres Handelns begreifen und so Diskriminierungen und Herabwürdigungen keinen Platz gegen wollen. Auch dafür: Vielen Dank! Und wer ein Netzwerk betreibt und sich darüber hinaus noch beteiligen möchte, wendet sich an netz@amadeu-antonio-stiftung.de.

Sehr gut: Viele werden aktiv

Das Problem rechtsextremer Agitation, Selbstdarstellung und Bedrohung in sozialen Netzwerken bleibt derweil weiterhin bestehen. Aber gibt viele positive Entwicklungen, seit das Problem mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommt: Die Netzwerke setzen ihr Hausrecht auf den Plattformen konsequent(er) und vor allem auch zeitnäher durch. Und es tut sich einiges unter den Nutzerinnen und Nutzern der sozialen Netzwerke: Immer mehr organisieren sich in Gruppen, um gemeinsam aktiv zu werden, etwa, um Neonazi-Aktivitäten an die Netzwerke zu melden (z.B. "Die Facebook Radarfalle" oder Aktionen gegen Nazis - on- oder offline - zu koordinieren. Das freut uns von netz-gegen-nazis.de am allermeisten: Denn nur wenn wir viele sind, die sich als Internet-Zivilgesellschaft aktiv für die Netzdemokratie einsetzen, können wir die menschenrechtsorientierten Werte etablieren, die Freiheit im Internet für alle garantieren.

Und wir auch: no-nazi.net

Auch bei netz-gegen-nazis.de arbeiten wir derweil an weiteren Ideen, gegen Rechtsextremismus in sozialen Netzwerken aktiv zu werden. In unserem neuen Projekt "no-nazi.net - Für Soziale Netzwerke ohne Nazis" arbeiten wir an Konzepten, über die sozialen Netzwerke Kinder und Jugendliche fit zu machen, angemessen mit Rechtsextremismus umzugehen, wenn sie ihm im Web begegnen, und für eine demokratische Kultur einzutreten - mehr Informationen dazu hier. Derzeit sind wir in der Vorbereitungsphase dieses vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms "Toleranz fördern, Kompetenz stärken" geförderten Modellprojektes. Ab Herbst werden dann auch die ersten Aktionen zu sehen sein. Informationen gibt es dann unter no-nazi.net.

Mehr im Internet:

| no-nazi.net

"Soziale Netzwerke gegen Nazis" auf wer-kennt-wen.de:
| www.wer-kennt-wen.de/club/liah0b2u

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

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